Warum sind Buchverfilmungen so schlecht?
Warum sind Buchverfilmungen eigentlich so schlecht? Klar, nicht alle sind wirklich schlecht, aber die Erwartungen, die man nach dem Buch an die Serie oder den Film hat, werden nur in wenigen Fällen tatsächlich erfüllt. Warum ist das so? In diesem Post versuche ich, einige mögliche Erklärungen dafür zu finden.
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Warum sind Buchverfilmungen so schlecht?
Das Zauberwort “Erwartungen” scheint in diesem Fall sehr wichtig zu sein: Wir kennen das Buch, wir kennen die Charaktere und wir kennen die Welt des Buches. Wir haben eine Vorstellung davon in unserem Kopf und diese Vorstellung entwickelt Erwartungen. Erwartungen, denen die meisten Buchverfilmungen nicht gerecht werden.
Die Handlung ist nicht nah genug am Buch
Wenn man eine Buchverfilmung denkt, liegt der Gedanke nahe, dass die Handlung, das, was im Buch passiert, in diesem Film wiedergegeben wird. Ja, es muss nicht 1 zu 1 sein, weil man vielleicht einen Special Effect so nicht animiert bekommt, wie im Buch beschrieben oder man baut einen B-Plot ein (wie bei Bridgerton), um mehrere Handlungsstränge zu haben. Aber man erfindet nicht eine völlig neue Geschichte, die nur die Charaktere und die Welt ganz lose mit sich nimmt und etwas komplett Neues entwickelt.
Das ist beispielsweise in der Verfilmung von Kerstin Giers “Smaragdgrün” … sagen wir, etwas schief gelaufen. Die ersten beiden Filme, “Rubinrot” und “Saphirblau” halten sich noch einigermaßen an die Handlung der Bücher. Aber im letzten Teil, “Smaragdgrün” weicht der Film komplett vom Buch ab. Und damit meine ich komplett, zu 100%. Es werden neue magische Kräfte eingeführt, die im Buch so nie beschrieben werden, die Protagonistin Gwendolyn – eine Zeitreisende – wird auf einmal zu badass Kämpferin, die man so aus den Büchern nicht kennt, und die Handlung hat nichts mit dem Buch zu tun. Das heißt nicht, dass der Film deshalb schlecht ist, es ist nur eben keine Buchverfilmung mehr.
Die Charaktere sind nicht mehr authentisch
Mit Charakteren steht und fällt ein Buch und somit auch ein Film. Und unauthentische Charaktere, die denen aus den Büchern überhaupt nicht ähnlich sind, können eine Buchverfilmung komplett zerstören.
Das muss gar nicht heißen, dass die Vorstellung, wie ein Charakter aussieht, nicht mit den Schauspielenden übereinstimmt (dazu gleich noch mehr). Es ist viel mehr die Art, wie die Charaktere verkörpert werden, sei es durch das Drehbuch oder die Schauspielenden selbst. Wir als Lesende kennen die Charaktere und ihre Eigenarten und ihre Art, zu denken, zu fühlen und zu handeln ziemlich gut. Wenn im Drehbuch jetzt auf einmal neue Hobbys oder Redensarten auftauchen, fühlen sich die Figuren wie jemand Fremdes an, nicht mehr wie der Charakter, den wir aus den Büchern kennen. Oder die Schauspielenden machen aus einem unsicheren, tollpatschigen Charakter eine zunehmend selbstsichere Person, obwohl diese Entwicklung im Buch nie stattfindet. All das kann dazu führen, dass sich die Charaktere fremd anfühlen, wie ein billiger Abklatsch der Person, die wir im Buch gelesen haben.
Unsere bildliche Vorstellung stimmt nicht mit der des Filmes überein
Ein ganz großes Problem mit Buchverfilmungen ist, dass sie unsere Vorstellung, unsere Fantasie in ein Bild pressen. Ein Bild, das sich vielleicht 1% der Lesenden genau so vorgestellt hat. Und deshalb können Buchverfilmungen es nie allen Recht machen.
Das beginnt damit, dass die Charaktere in unserem Kopf anders aussehen als die Schauspielenden. Wie oft habe ich ein Buch gelesen und danach ein Fanart gesehen und gemerkt, dass der Charakter blonde Haare hat, obwohl ich mir beim Lesen immer braune vorgestellt habe? Doch auch wenn die äußerlichen Merkmale der Charaktere stimmen, kann die Welt, die die Bücher erschaffen und beschrieben haben, nie genau so abgebildet werden. Weil wir uns diese Welt selbst in unserem Kopf erschaffen, trotz detaillierten Beschreibungen. Mal hat die Wand des Klassenzimmers eine andere Farbe oder der Zauberstab ist viel verschnörkelter als in unserer Vorstellung.
Bei so viel Freiraum für Fantasie, für Interpretation ist es schlichtweg unmöglich für einen Film, uns nicht zu enttäuschen, weil die Vorstellung nicht mit der im Film gezeigten “Realität” übereinstimmt.
Der Film wechselt das Genre des Buches
Da einige Bücher ein sehr eingeschränktes und spezifisches Genre haben, das im Kino oder auf den Streaming-Plattformen vielleicht keine ganz so große Zielgruppe hat, wird das Genre einiger Filme geändert. Klar, aus einem Thriller kann man schlecht eine RomCom machen (wobei das Datingleben manchmal durchaus wie ein Thriller erscheint), aber aus einem Fantasybuch lässt sich mit ein bisschen umschreiben ein Actionfilm machen, der neben Fantasyfans auch diejenigen ins Kino lockt, die Action mögen. Nur geht dieses Umschreiben meist schief, weil das Buch ja aus einem bestimmten Grund dieses Genre hat – nur dieses Genre passt zur Handlung, passt zu den Charakteren, passt zur Welt.
Nehmen wir nochmal “Smaragdgrün” als Beispiel. Das Buch ist klipp und klar ein Young Adult Romantasy Roman, also Fantasy mit einer Liebesgeschichte für Jugendliche. Aber weil die Zielgruppe damit ziemlich eingeschränkt ist, hat man den Film “Smaragdgrün” so umgeschrieben, dass sehr viel mehr Action in diesem Film vorkommen. Mehr Kämpfe, mehr brutale Szenen, mehr schnelle Schnitte. Und das hat nichts mehr mit dem “friedlichen” Buch “Smaragdgrün” zu tun, bei dem ein Degenkampf das höchste der Gefühle ist. Keine Cozyness, kein Rätsellösen, sondern Kämpfe und Geheimnisse, die zwischen Tür und Angel gelüftet werden. Und das macht den Film einfach unauthentisch dem Buch gegenüber. Es sollte kein Actionfilm sein, sondern ein cozy Young Adult Romantasy-Film.
Wie sieht eine gute Buchverfilmung aus?
Nachdem wir jetzt viel über “schlechte” Buchverfilmungen gesprochen haben, stellt sich natürlich die Frage, wie eine gute Buchverfilmung aussieht. Das kann man pauschal so nicht sagen, weil jede und jeder natürlich andere Präferenzen hat.
Deshalb habe ich einfach mal ein Beispiel für eine wirklich gelungene Buchverfilmung mitgebracht, von der sich angehende Projekte gerne eine Scheibe abschneiden dürfen – “Maxton Hall – Die Welt zwischen uns”. Das ist die Buchverfilmung von Mona Kastens “Save Me” (bzw. der gesamten Maxton Hall-Reihe), die die Geschichte von Ruby, einer Stipendiatin, die ans renommierte Maxton Hall College geht, und von James, einem reichen, arroganten “Bad Boy”, erzählt, deren Welt aufeinandertreffen.
Warum ist “Maxton Hall – Die Welt zwischen uns” eine so gute Buchverfilmung?
- Eine Handlung, die nah am Buch bleibt: Alle wichtigen Szenen sind in der Serie enthalten und wenn es Abweichungen gibt, dann nur sehr minimale, die die Handlung und den Verlauf der Geschichte nicht gravierend verändern.
- Authentische Charaktere: Ja, ich war vom Casting erst etwas enttäuscht, aber die Schauspielenden der ProtagonistInnen Harriet (Ruby) und Damian (James) haben die Charaktere 1 zu 1 vom Buch wiedergegeben.
- Kaum Abweichungen vom Buch: Egal, ob es um die Charaktere, die Welt oder die Handlung geht – “Maxton Hall – Die Welt zwischen uns” weicht kaum von der Buchvorlage ab. Und wenn, dann vertiefen diese Abweichungen nur die Charaktere und ihre Entwicklung. Das wiederum zeigt, dass man sich tatsächlich mit dem Buch beschäftigt hat, um authentische Charaktere darzustellen.
Kennt ihr noch weitere Beispiele für gelungene Buchverfilmungen? Oder gibt es noch Punkte, die bei Buchverfilmungen oft dazu führen, dass sie floppen? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!
Viel Spaß beim Schmökern & Schauen
Pearl Diver of Books